Nachhaltigkeit

So erkennst du greenwashing bei beliebten beauty‑marken: sieben konkrete fragen, die du beim einkauf stellen solltest

So erkennst du greenwashing bei beliebten beauty‑marken: sieben konkrete fragen, die du beim einkauf stellen solltest

Ich gebe es zu: Ich habe mich schon oft von einem hübschen Verpackungsdesign und dem Wort natürlich auf dem Etikett verführen lassen. Mittlerweile schaue ich genauer hin — nicht aus Pedanterie, sondern weil mir Nachhaltigkeit und ehrliche Pflege wichtiger geworden sind. Greenwashing ist tückisch: Marken nutzen gut klingende Begriffe oder Bilder, um Umweltfreundlichkeit zu suggerieren, ohne wirklich nachhaltige Praktiken dahinter. Damit du beim nächsten Einkauf nicht in die gleiche Falle tappst, habe ich sieben konkrete Fragen zusammengestellt, die ich mir und dir vor jedem Kauf stelle.

Warum diese Fragen wichtig sind

Wir alle wollen Produkte, die gut für uns und den Planeten sind. Doch Begriffe wie „grün“, „clean“ oder „eco“ sind nicht geschützt. Das macht es Marken leicht, den Eindruck von Nachhaltigkeit zu erwecken, ohne die nötigen Maßnahmen umzusetzen. Diese Fragen helfen dir, über das Marketing hinauszusehen und echte Informationen zu fordern — schnell und praktisch im Laden oder beim Online-Shopping.

Frage 1: Welche konkreten Zertifikate oder Nachweise gibt es?

Wenn ein Produkt wirklich nachhaltig ist, gibt es meistens Zertifikate oder Prüfzeichen. Ich suche nach Siegeln wie NaTrue, BDIH, Ecocert oder dem EU-Bio-Logo bei kosmetischen Produkten. Wichtig: Nicht jedes Siegel ist gleich streng. Manche decken nur Inhaltsstoffe ab, andere umfassen Produktion, Verpackung und faire Handelspraktiken.

Beim Blick auf das Siegel frage ich mich: Deckt es die gesamte Lieferkette ab? Oder nur einzelne Inhaltsstoffe? Wenn keine Prüfzeichen aufgeführt sind, ist das ein Warnsignal.

Frage 2: Nennen sie vollständige Inhaltsstoffe — oder nur Buzzwords?

„Natürliches Öl“ liest sich gut, aber was steckt konkret drin? Ich achte darauf, ob die INCI-Liste vollständig angegeben ist (bei Online-Shops einfach nach unten scrollen). Fehlt die vollständige Liste, ist das für mich ein Grund zur Vorsicht.

Ein guter Hersteller erklärt zudem, woher die Inhaltsstoffe stammen und ob sie z. B. aus biologischem Anbau stammen. Wenn ich Begriffe wie „pflanzlich“ sehe, frage ich nach der Genauen Herkunft — ist das Palmöl? Ist es nachhaltig zertifiziert?

Frage 3: Wie transparent ist die Marke zur Lieferkette?

Transparenz ist eines der größten Unterscheidungsmerkmale. Marken, die wirklich Wert auf Nachhaltigkeit legen, teilen oft Informationen zur Rohstoffgewinnung, zu Produktionsstandorten oder zu Partnerfarmen. Ich schaue nach Berichten auf der Website, nach Herstellerangaben oder sogar nach Transparenz-Berichten (Sustainability Reports).

Wenn eine Marke Aussagen wie „wir unterstützen Kleinbauern“ macht, aber keine Details nennt, bleibe ich skeptisch. Gute Firmen nennen Namen, Orte oder Kooperationsformate.

Frage 4: Was sagen die Verpackung und das Recyclingkonzept?

Schöne Glasflaschen sind toll — bis sie in einer unnötigen Umverpackung aus Plastik stecken. Ich prüfe, ob Materialien recyclebar sind, ob Refill-Optionen angeboten werden und ob die Marke Angaben zum Anteil recycelten Materials macht (z. B. „50 % PCR-Kunststoff“).

Dabei richte ich mein Augenmerk auch auf kleine Details: Sind Verschlüsse getrennt recycelbar? Gibt es regionale Rücknahmesysteme? Manche Marken wie The Body Shop oder kleinere Indie-Brands bieten Refill-Programme an — das ist für mich ein Pluspunkt.

Frage 5: Werden soziale Kriterien berücksichtigt?

Nachhaltigkeit endet nicht bei der Umwelt. Faire Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und keine Ausbeutung in der Lieferkette sind für mich genauso wichtig. Ich frage mich: Hat die Marke Fairtrade-, B-Corp- oder andere soziale Zertifizierungen? Gibt es Aussagen zur Mitarbeiter*innen- und Lieferantenbehandlung?

Es hat mich oft überrascht, wie selten solche Infos offen kommuniziert werden. Wenn du bewusst einkaufen möchtest, ist das ein Unterscheidungsmerkmal zwischen echtem Engagement und bloßem Marketing.

Frage 6: Ist das Produkt wirklich nötig — oder nur ein „Green“ Trend?

Manchmal hilft die einfachste Frage: Brauche ich das Produkt überhaupt? Ich überlege, ob es eine langanhaltende Anschaffung ist oder ob ich nur einem Trend folge. Nachhaltigkeit heißt für mich auch: weniger Konsum oder gezielter Konsum.

Ein Beispiel: Statt ständig neue „Öl-in-Serum“-Kombinationen zu kaufen, investiere ich lieber in ein Multifunktionsprodukt, das meine Haut wirklich braucht. Weniger Produkte = weniger Verpackung, weniger Produktion, weniger Fußabdruck.

Frage 7: Was sagen unabhängige Tests und Reviews?

Marketingtexte sind eine Sache — unabhängige Tests und Nutzer*innen-Stimmen eine andere. Ich lese Testberichte (Stiftung Warentest, ÖKO-TEST), informiere mich in unabhängigen Blogs oder schaue nach wissenschaftlichen Studien zu Inhaltsstoffen, wenn möglich.

Besonders hilfreich finde ich auch Erfahrungsberichte von Leuten mit ähnlichen Hauttypen oder Werten. Wenn viele Nutzer*innen Probleme melden, ist das für mich ein Alarmsignal, selbst wenn die Verpackung nachhaltig wirkt.

Praktische Checkliste für den Einkauf

Damit dir die Fragen im Laden leichter fallen, nutze ich seit Kurzem eine kurze Checkliste in meiner Notizen-App. Die wichtigsten Punkte sind:

  • Sind Zertifikate sichtbar und glaubwürdig?
  • Ist die vollständige INCI-Liste vorhanden?
  • Gibt es Angaben zur Herkunft der Rohstoffe?
  • Wie nachhaltig ist die Verpackung? Refill-Optionen?
  • Sind soziale Aspekte kommuniziert?
  • Brauche ich das Produkt wirklich?
  • Was sagen unabhängige Tests/Reviews?

Kurzer Vergleich: Marketing-Claim vs. tatsächlicher Nachweis

Claim Möglicher Nachweis
„Natürlich“ Vollständige INCI-Liste, Herkunftsangaben, % natürlicher Inhaltsstoffe
„Umweltfreundliche Verpackung“ Angaben zu Material, PCR-Anteil, Refill-Optionen, Recyclinginfos
„Fair produziert“ Fairtrade/B-Corp, Lieferanten-Nennung, Berichte zur Produktionskette

Ich will nicht den erhobenen Zeigefinger schwingen — nachhaltiges Einkaufen ist ein Prozess. Manche Marken machen schon vieles richtig und kommunizieren offen, andere lernen noch. Diese sieben Fragen helfen mir, bewusster zu entscheiden und mich nicht von schönen Bildern blenden zu lassen. Wenn du magst, kannst du meine Liste gern kopieren und beim nächsten Shoppen testen — und mir berichten, welche Marken dich positiv überrascht haben.

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